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Wednesday 28th of June 2017
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Kein gewöhnlicher Morgen – Abschied von Ali (a.)

Dieser Morgen ist kein gewöhnlicher Morgen;
der Führer der Gläubigen verlässt sein Haus.
Im Gezwitscher der Vögel sind zu hören Sorgen;
in die Moschee zu Kufa möchte er hinaus.

Es klingt, als wollten sie ihn überreden umzukehren,
sie umringen ihn und ihr Gezwitscher wird traurig,
sie können ihm den Zutritt zur Moschee nicht verwehren,
und Alis Lächeln ist nach Langem wieder so freudig.

Die Moschee ist leer, bis auf einige wenige Menschen.
In einer dunklen Ecke schläft jemand im Umhang gehüllt,
der Imam weckt jenen sanft mit seinen eigenen Händen,
die Moschee sich nun nach und nach mit Menschen füllt.

Der Amir begibt sich zur Gebetsnische und spricht den Iqama,
aus dem Schatten der Moschee erhebt sich eine dunkle Gestalt,
er hebt die Hände zum Takbir, „Allahu Akbar“ spricht Murtadha,
sie steuert zielstrebig auf den Platz hinter dem Imam, ohne Halt.

In der Verbeugung wird Allah gepriesen mit Alis Worten,
in der Niederwerfung jedoch ein giftiges Schwert aufblitzt,
ein Schatten wirft sich mit Gewalt auf jener Stadtes Pforten,
die des Wissens Tor ist, doch nun das Blut aus ihr spritzt.

„Beim Herrn der Kaaba, ich bin erfolgreich“, erschallt sein Ruf,
das traurige Gezwitscher der Vögel schlägt in Hysterie um,
„O Ibn Muldschim, weißt du, was Grausames du da tust?“,
Amir al Mu’minin fällt in Ohnmacht und ist nun stumm.

Die Söhne bringen ihn in sein Haus zu seinem Lager,
die Verletzung ist ernst, die Blutung kaum zu stoppen,
wenn der Imam erwacht, tröstet er seine Kinder.
Das Blut aber durchnässt immer wieder seine Locken.

Die Waisenkinder von Kufa haben von dem Anschlag gehört,
in ihren kleinen Händen tragen sie Milchschalen zum Imam,
sie hoffen, dass der gnädige Allah ihr Bitten und Flehen erhört,
sie hoffen, dass ihre Milch ihren Beschützer heilen kann.

Es vergehen zwei Tage voller Schmerzen und Qual,
als der Imam all seine Kinder liebevoll zu sich ruft.
Er blickt auf sie und küsst sie noch ein letztes Mal,
sie zur Gerechtigkeit ermahnt, bevor er folgt des Herrn Ruf.

Lächelnd tröstet er Hassan, Hussein und den kleinen Abbas,
als Zainab und Umm Kulthum vor ihm in Tränen ausbrechen,
zerbricht aber auch Alis Herz wie ein dünnes Stück Glas.
Haydar weint und er kann ihnen keinen Trost zusprechen.

O Ali, du erträgst die Tränen deiner Töchter nicht;
o Ali, blicke einmal nach Kerbala und Damaskus;
o Ali, sieh wie dort Zainabs Herz zerbricht;
o Ali, schau welch Hürden Zainab meistern muss.

Ein Ruf aus dem Himmel erschüttert die ganze Welt:
„Amir al-Mu’minin ist zum Schöpfer zurückgekehrt!“
Mit diesem Ruf die irdische Gerechtigkeit nun fällt,
der lebende Qur’an ist zum Propheten zurückgekehrt.

Der Waisen Hoffnung versickert mit der Milch im Boden.
Ihr Tröster wird sie nicht mehr streicheln und besuchen,
für sie gibt es ohne ihn nicht mehr ein tröstendes Morgen,
wo sollen sie den Vater der Waisen, Ali, nur suchen?

O Ali, wir allesamt sind deine Waisen.
O Ali, wo können wir uns an dich binden?
O Ali, wir erkennen durch deine Zeichen,
dass wir können dich nur in Chamene’i finden.

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