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Das Wort "Sirah"

Im Arabischen ist das Wort "Sirah" abgeleitet von der Wurzel "Sair", was "Wandern" und "Bewegung" bedeutet. Die Benutzung und Anwendung des Wortes "Sirah", wie von den Muslims seit dem ersten und zweiten Jahrhundert (nach der Hidschrah1) verwendet, war vollkommen angemessen, wiewohl unsere Historiker nicht ganz erfolgreich waren, wenn sie den von diesem Wort bezeichneten Begriff praktisch anwendeten. Vielleicht die authentischste "Sirah" wurde von Ibn Ishak geschrieben und später von Ibn Hischam in einem Buch gesammelt. Angeblich soll Ibn Ishak ein Schiit gewesen sein, der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschrah lebte.

1 Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina und beginn der islamischen Zeitrechnung 622 n. Chr.

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Im Arabischen reimt sich "Sirah" mit "Filah", was den Typ der begangenen Tat bezeichnet. Das gleiche gilt mit "Dschalsah" und "Dschilsah", was "Sitzen" und "Art des Sitzens" bedeutet. Dies ist ein feiner Aspekt, da "Sair" das Benehmen des einzelnen ist, wohingegen "Sirah" die persönliche Art des Benehmens ist, und in unserer Diskussion ist der wichtige Aspekt zu wissen, welche spezifische Art des Benehmens der Prophet Mohammed (s.) hatte. Die Gelehrten, die eine "Sirah" schrieben, betonten tatsächlich das Benehmen des Propheten, und so sollten die Bücher über "Sirah" richtigerweise die Bücher von "Sair" genannt werden. Die Sirat-al-Halabiah beispielsweise, ist in Wirklichkeit "Sair" und nicht "Sirah", denn es spricht über das Benehmen des Propheten, nicht über den Stil, die Methode und die Manier, womit er sich in verschiedenen Situationen zu verhalten pflegte.

Dichtkunst und Dichter

Poesie bzw. Dichtkunst hat verschiedene Formen und Stile. Nun, in den Augen eines Menschen, der nichts über poetische Stile weiß, gibt es keinen Unterschied zwischen Rudaki, Sadi, Moulavi, Sana'y, Sa'ib und Hafis2, die alle eine meisterliche Hand in der Dichtkunst hatten. Er nennt sie alle Poeten bzw. Dichter und ihre Schriften Poesie bzw. Dichtkunst. Aber jemand, der vertaut mit Poesie ist, weiß, dass jeder dieser Poeten einen ihm eigenen Stil des Rhythmus anwandte, wie Indisch (Hindi), Khorasanisch und ein spezielles Muster, um das Heldentum, die Mystik zu bejubeln, und so weiter. Es ist Tatsache: In der Untersuchung der Poesie ist es wichtig, ein Wissen über die poetischen und rhythmischen Stile zu besitzen; andernfalls kann von einem Nichtexperten auf diesem Felde kein Unterschied zwischen verschiedenen Gedichten festgestellt werden. Das gleiche gilt für die Prosa, denn auch sie hat ihre eigenen Stile. So kann man nur mit dem Wissen über solche Stile fähig sein, die verschiedenen Arten der Prosa auszumachen. Allgemein gesprochen: Für jemanden, der mit

2 Große islamische Dichter aus dem persischsprachigen Raum

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Kunst nicht vertraut ist, kann jegliches Gebäude, Fliesenwerk und Beschriften eine Manifestation der Kunst sein, aber wenn er Experten zu Rate zieht, wird er bemerken, dass es verschiedene Stile in jedem Felde gibt; und jede Geschicklichkeit und Kunst hat ihre ihm eigenen Stile. Ein deutscher Schriftsteller schrieb ein gutes Buch, das neulich unter dem Titel "Islamische Kunst" ins Persische übersetzt wurde. Er argumentiert, dass die islamische Kunst einen exklusiven Stil in der islamischen Welt und Zivilisation genießt, und so bewies er, dass der Islam in der Kunst unabhängig ist.

Für den einfachen Verstand waren Aristoteles und Biruni zwei Gelehrte, Philosophen und Denker, gleich im Status. Ibn Sina, Plato, Bacon, Descartes, Stewart Mill und Hegel sind alle Gelehrte und Denker. Gleicherweise betrachtet solch ein einfacher Geist Scheich Saduq, Scheich Kulaini, Ichvan As-Safa3 und Nasir al-Din Tusi als gleichartige Gelehrte und Wissenschaftler. Aber ein gelehrter und wissensreicher Mensch weiß, dass es einen bemerkenswerten Unterschied in den Methoden, Stilen und Denkweisen dieser Gelehrten und Philosophen gibt. In der Tat, jeder Gelehrte hat seine eigene Methode. Man mag die Beweisführung (Erörterung) und die Ableitung betrachten und der aristotelischen Logik insgesamt folgen. Der eine nutzt solche Logik in der eigenen Analyse bei allen Zweigen des Wissens, wie Medizin, Jurisprudenz, Literatur und so weiter. Der andere aber mag sich mehr auf das Experimentieren verlassen. Dies gilt für viele der modernen Gelehrten. Angeblich soll sich Birunis Methode von jener Avicennas unterscheiden, wiewohl beide zwei zeitgenössische Genies waren, wobei der erstere mehr das Experimentieren bevorzugte und der Zweite mehr die aristotelische Logik.

Der eine mag sich auf die rationale Erkenntnis (in der eigenen Analyse) verlassen, und der andere auf Bücher und Hadithe (Überlieferungen). Wenn der verstorbene Allamah Madschlisi beispielsweise ein Buch über Medizin schreiben wollte, gründete er immer sein Werk auf Bücher und Hadithe, ohne ihrer Echtheit große Wichtigkeit

3 Eine Reihe von großen islamischen Gelehrten

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beizumessen, oder er sammelte zumindest relevante Hadithe (Überlieferungen) in seinem Buche. Wollte er über Gunst und Ungunst der Tage schreiben, verließ er sich diesbezüglich auf Erzählungen.

Ebenfalls ist das Verhalten den verschiedenen Manieren und Stilen unterworfen. Entsprechend allgemein gesprochen: Die Verhaltensforschung ist in Wirklichkeit das Studieren der verschiedenen Stile der Manieren, die im Verhalten des Menschen auftauchen. Könige der Welt hatten Manieren und Methoden, die ihnen eigen waren. Dies gilt für alle Philosophen und Asketen gleichermaßen. Ähnlich haben alle Propheten spezifische, aber auch gemeinsame Verhaltenstechniken, wie auch jeder Methoden und Verhaltensweisen hat, die ihm eigen sind.

Viele der Dichter, Künstler und Philosophen folgen keinerlei Stil oder Methode in ihren Werken. Zuweilen bauen sie auf Vernunft, zuweilen auf Weisheit und zuweilen auf Gefühle und Emotionen. Sie ermangeln einer gesunden Logik, und so wollen wir uns mit ihnen nicht beschäftigen. Auch im Benehmen hat fast keiner einen spezifischen Stil und eine spezifische Art. Die meisten von uns wissen nichts über die Methoden, die wir beim Lösen von Problemen unseres Lebens anwenden, und wir vermögen sie nicht zu erklären, wenn wir sie erklären sollten. Es gibt ein paar wenige Menschen, die bei gewissen Lebenszielen spezifischen Methoden und Stilen folgen. Und wenn wir über die "Sirah" des Heiligen Propheten sprechen, beschäftigen wir uns mit den praktischen Methoden, die er bei der Verkündigung des Islam einsetzte: Beispielsweise seine Methoden der Führung (denn er begründete eine Regierung, nachdem er von Medina siegreich nach Mekka zurückgekehrt war und seit damals war er der Führer der islamischen Gemeinschaft), seine Methoden des Richtens unter dem Volk, sein Verhalten mit seinen zahlreichen Frauen und Kindern, seine Methoden im Umgang mit Freunden und Gefährten, seine Methoden im Umgang mit hartnäckigen Feinden und sein Verhalten unter verschiedenen Umständen.

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